Staatliche Akademie der Bildenden Künste Karlsruhe
Datum
Ort
Vortragssaal Reinhold-Frank-Str.81 / Vordergebäude

Vortrag. Arthur Cravan - „Maintenant als Programm“

Bastiaan van der Velden, Amsterdam

Im Rahmen der Vortragsreihe „Ästhetik des Performativen“, die von Prof. Leni Hoffmann und Prof. Axel Heil kuratiert wird, ist am Dienstag, 24. Juni 2014, um 19.30 Uhr der niederländische Rechtshistoriker Bastiaan van der Velden zu Gast in der Kunstakademie Karlsruhe. Er spricht über „Artur Cravan – Maintenant als Programm“.  

 

„Wer oder was Arthur Cravan, 1887 als Fabian Avenarius Lloyd in Lausanne geboren, letztlich gewesen ist, bleibt auch 96 Jahre nach seinem Verschwinden genauso unklar wie der Ausgang seines womöglich letzten Abenteuers, als er sich im Herbst 1918 mit einem Boot für eine kurze Probefahrt auf den Golf von Mexiko hinaustreiben ließ und nicht zurückkehrte …“(Roberto Ohrt)

 

Arthur Cravan gehört zu jener kleinen Gruppe von Europäern, die zu Beginn des letzten Jahrhunderts ihre Auffassung davon, „wie“ ein Leben zu führen sei, auch tatsächlich als ständig mutwillig zu veränderndes Spielfeld von unvorhersehbaren Operationen lebten. Im Vorfeld des Surrealismus, gerne als „Proto-dada“ bezeichnet, begann das Unterwegs-sein von Cravan in den Schilderungen von „Überlebenden“ schon zu Beginn der 1920er-Jahre mystische Dimensionen anzunehmen. Im April 1912 hatte Cravan bereits das erste Heft von Maintenant herausgebracht, einer Zeitschrift voller seltsamer Artikel, die er selbst unter verschiedenen Pseudonymen verfasst hatte: Gedichte, Texte mit Spekulationen über seinen Onkel Oscar Wilde und Kritiken, in denen er die ganze Kunstwelt angreift. Er war „professioneller“ Abenteurer, Gelegenheitsdichter, Deserteur und Boxchampion, der sich durch geschickte Niederlagen finanzierte. Diese Hinweise und vor allem sein Verschwinden im Golf von Mexico sind die wenigen Haltepunkte einer lose gestrickten Biographie.

 

Bastiaan van der Velden, Rechercheur und Rechtshistoriker aus Amsterdam, ist es gelungen, die wenigen sicheren Fäden der Geschichte zu einem erkennbaren Spinnennetz zusammenzufügen. Ein Netz bestimmt sich bekanntlich durch seine Löcher, und ob die Spinne tatsächlich noch unterwegs ist, bleibt der spannendste Teil der Geschichte. Vor einigen Jahren gab Bastiaan van der Velden aus reiner Neugierde das Stichwort „Cravan“ in die Suchmaschine des Internationalen Instituts für Sozialgeschichte (IISG in Amsterdam) ein, und zu seiner großen Überraschung lieferte sie ihm den Hinweis auf einige Briefe, die zum Dossier Eugène Humbert gehören. Bislang hatte niemand in der Forschung von diesen Briefen gewusst. Die sich aus dem Fund ergebenden Überlegungen werden Teil des in deutscher Sprache gehaltenen Vortrags sein.