Staatliche Akademie der Bildenden Künste Karlsruhe
Datum
Ort
Vortragssaal Reinhold-Frank-Str.81 / Vordergebäude

Vortrag. Zeitlichkeit und Leichtigkeit als kuratorische Werkzeuge für künstlerischen Austausch (in engl. Sprache)

Jean-Christophe Arcos

Veranstaltung in Kooperation mit Fondation Centre culturel franco-allemand Karlsruhe

Zuvor: 17 Uhr Künstlerführung durch die Ausstellung von Simon Pfeffel „Retour de Paris“ im Centre Culturel Franco-Allemand Karlsruhe, Postgalerie, Eingang Karlstraße 16b, 3. Etage, 76133 Karlsruhe.

Die Staatliche Akademie der Bildenden Künste Karlsruhe und die Stiftung Centre Culturel Franco-Allemand Karlsruhe verbindet ein vom Land Baden-Württemberg ausgelobtes Paris-Stipendium. Absolventen der Hochschule haben die Chance, sich für einen Residenz-Aufenthalt in der französischen Hauptstadt zu bewerben, und die deutsch-französische Kultureinrichtung zeigt nach dem Aufenthalt Arbeiten der jungen Künstler, die in Genuss dieses Stipendiums kamen.

Aktuell stellt Simon Pfeffel in dem ehemaligen Postgebäude am Europaplatz aus. Simon Pfeffel war im Jahr 2016/17 Stipendiat der Cité des Arts. Seine Performances und Installationen nehmen den jeweiligen Stadtraum als Ausgangssituation, um - meist physisch motivierte - Beziehungsmomente zu schaffen. So praktizierte er dies auch in Paris. Für seine Performance im Stadtraum und seine anschließende Ausstellung in der Stiftung CCFA Karlsruhe konzipierte Pfeffel eine neue Installation.

Dem Vortrag des französischen Kurators Jean-Christophe Arcos in der Kunstakademie um 19 Uhr geht im Centre Culturel Franco-Allemand Karlsruhe um 17 Uhr eine Künstlerführung von Simon Pfeffel voraus.

Jean Christophe Arcos, der sich mit der Rolle und Funktion des Kurators im Rahmen von Residencies und mit der dahinter stehenden Idee eines grenzüberschreitenden, künstlerischen Europas intensiv befasst, hat Simon Pfeffel in Paris begleitet und sich mit seinem Werk befasst. Er beweist in seinem Vortrag: Sich Zeit zu nehmen, Entdeckungen zu machen, das Andere, Unbekannte zu recherchieren, ist kein Zeitverlust, sondern ein Gewinn.

„Artist in Residence: Dieser Begriff handelt vom Wohnen, genauer gesagt vom Wohnen eines Künstlers, der eine vorübergehende Bleibe findet. Die Künstlerresidenz schafft die Bedingungen für eine Wanderschaft, die stets aufs Neue eine Verbindung von Körper, Ort und Aktion herstellt.Die Geschichten erfahren eine Beschleunigung: Die Künstlerresidenz setzt Energien frei, befeuert Begierden, krümmt die Zeit. Entropie und Tropismus stehen sich gegenüber und verschmelzen zu einer Basis, die es dem Stipendiaten erleichtert, sich kopfüber in eine fremde Welt zu stürzen. Zugleich erlaubt das Gefühl der Fremdheit einen distanzierten Blick, der die künstlerische Arbeit befördert.

Die Dualität zwischen Oberflächlichkeit und Schwere verschwimmt. Es geht um einen Schwebezustand, der trotz allem erlaubt, Wurzeln zu schlagen, ein doppelter Zwang oder eine doppelte Zugehörigkeit, zugleich hier und anderswo.

Was ist der Nutzen solcher Aufenthalte und wie geht man damit um? Vor allem dank der Begegnung mit Simon Pfeffel an der Cité Internationale des Arts in Paris entwirft Jean-Christophe Arcos bei seinem Vortrag ein ganz subjektives Bild dieser Förderprogramme, um die Zwänge der Selbstdarstellung zu beleuchten, die mit der für den ungestörten Schaffensprozess notwendigen Zeit in Konflikt treten können.

(Jean-Christophe Arcos)

Foto:Copyright Wolfgang Kleber