Staatliche Akademie der Bildenden Künste Karlsruhe
Datum
Ort
Vortragssaal Reinhold-Frank-Str.81 / Vordergebäude

Filmpräsentation. TANGO ZU BESUCH (2017)

Irene Schüller

Tango. Ein Tanz voller Leidenschaft, Sinnlichkeit, Tragik. Eine Szene voller ungeschriebener Regeln. Fünf junge Tänzerinnenund Tänzer, die nicht anders können: fernab Argentiniens, mitten im Schwarzwald, tauchen sie Abend für Abend ab in die ganz eigene Wirklichkeit der Milongas. Finden sie Erfüllung? Oder nur eine unstillbare Sehnsucht? Macht Tango glücklich – oder hält er die Einsamen in ihrer Einsamkeit?

Irene Schüller lässt in ihrem Dokumentarfilm fünf Menschen zu Wort kommen, fünf Singles, die besessen sind vom Tango. Die Kamera folgt den drei Männern und zwei Frauen auf Milongas und in ihre Wohnungen. Sie erzählen, was sie an diesem Tanz fasziniert, wer sie im Tanz sind, was sie lieben und was ihnen Angst macht.

Da ist Christian, Ingenieur, ein Kopfmensch: „Tango bringt einen ganz anderen Teil in meiner Persönlichkeit hervor“. Seine Begeisterung für den Tango geht weit über das Tanzen hinaus, er kennt alle Lieder, kann Texte auswendig mitsingen. Dann gibt es Ruben, der die klare Rollenverteilung genießt. Als Mann erwartet er, dass seine Partnerin aussieht wie eine Prinzessin. Helena pinselt ihre Tanzschuhe golden an, gibt sich mit ihrem ganzen Wesen hin, aber hält die Steifheit der Szene kaum aus: „Muss man, nur weil man gut tanzen kann, seinen Humor verlieren?“. Susanna erforscht die kleinsten Details des Tanzes, trainiert hart, aber in ihr gärt auch der Zweifel: „Diese Rollenverteilung ist nicht zeitgemäß“. Und schließlich Joscha: Für ihn öffnet der Tango einen Raum, in dem Traurigkeit erlaubt ist – und extreme Nähe. Doch vor zu viel davon muss er sich schützen: „vielleicht kommt daher meine Arroganz“.

Irene Schüller hat mit ihrem Dokumentarfilmdebüt ein Kunstwerk geschaffen. Bilder die bezaubern, sie verraten die Ästhetik der Malerin. Kameraeinstellungen, die uns das Banale schön erscheinen lassen und wehmütig, mit leiser Traurigkeit, das Schöne in den Blick rücken. Aber was tut er nun, der Tango, macht er glücklich oder einsam? Die Protagonisten finden ihre ganz eigenen Antworten.