Staatliche Akademie der Bildenden Künste Karlsruhe
Datum
Ort
Vortragssaal Reinhold-Frank-Str.81 / Vordergebäude

Symposium "Die Gruppe SPUR"

8.5.2014

 

Kolloquium und Exkursion „DÉRIVE“ im Rahmen der Vortragsreihe „Ästhetik des Performativen“

Vagabundierende Unruhe – Gruppe SPUR

 

Freitag, 16. Mai 2014, ab 9.30 Uhr Kolloquium im Vortragssaal der Staatlichen Akademie der Bildenden Künste Karlsruhe, Reinhold-Frank-Str. 81

 

Samstag, 17. Mai 2014, 10 Uhr Exkursion zur Ausstellung „Vagabundierende Unruhe – Gruppe Spur

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Die Dienstags-Vortragsreihe an der Staatlichen Akademie der Bildenden Künste Karlsruhe im Sommersemester 2014 und Wintersemester 2014/15 folgt einer Begriffsbestimmung der Berliner Theaterwissenschaftlerin Prof. Dr. Erika Fischer-Lichte: „Die Ästhetik des Performativen“. Erika Fischer-Lichte entwickelt in ihrer grundlegenden Studie eine Ästhetik des Performativen, die den Begriff der Aufführung in den Mittelpunkt stellt. Dieser umfasst die Eigenschaften der leiblichen Kopräsenz von Akteuren und Zuschauern, der performativen Hervorbringung von Materialität sowie der Emergenz von Bedeutung und mündet in eine Bestimmung der Aufführung als Ereignis. Die Aufhebung der Trennung von Kunst und Leben, welche die neueren Ausdrucksformen anstreben, wird hier ästhetisch auf den Begriff gebracht.

 

Die künstlerischen Professoren an der Karlsruher Akademie Leni Hoffmann und Axel Heil haben das Programm zusammengestellt und stellen nach dem Vortrag der Bildhauerin Beate Engl nun die Gruppe SPUR in den Mittelpunkt einer zweitägigen Veranstaltung.

 

Die Ausstellung im Museum für Aktuelle Kunst – Sammlung Hurrle Durbach „Vagabundierende Unruhe – Gruppe SPUR“ bietet den äußeren Anlass für ein wissenschaftliche Auseinandersetzung mit Lothar Fischer (1933-2004), Heimrad Prem (1934-1978), Helmut Sturm (1932-2008) und Hans Peter Zimmer (1936-1992), die den harten Kern der Gruppe SPUR bildeten. Die Künstlervereinigung hielt acht lange Jahre von 1957 bis 1965 und als freundschaftliche Verbundenheit noch viel länger. Das Publikum hat in diesem künstlerischen Zusammenschluss seinen festen Platz – im Gegenüber von drei Malern und einem Plastiker.

 

Es war ein Zusammenschluss von vier Individualisten. Die Maler Prem und Sturm kannten sich von der Münchner Kunstakademie. Zu ihnen traf Lothar Fischer. Später kam HP Zimmer aus Berlin hinzu. Erwin Eisch, Gretel Stadler, Uwe Lausen, Jaqueline de Jong, Asger Jorn, Dieter Kunzelmann u.a. verstärkten zu unterschiedlichen Zeiten die Gruppe. Einen ersten Verbündeten fand die noch junge SPUR in Hans Platschek. Seine Veröffentlichung „Neue Figurationen“ wies einen Weg heraus aus der offiziell propagierten „Weltsprache Abstraktion“. Als entscheidender Kontakt erwies sich dann allerdings die Verbindung zu dem Dänen Asger Jorn, durch den die SPUR nicht nur erste Ausstellungsmöglichkeiten im Ausland erhielt, sondern auch mit der Internationale Situationniste (I.S.) in Kontakt kam. 1959 wurde die SPUR auf der dritten „Internationalen Konferenz“, die in München stattfand, ein Teil der I.S..

 

Die Jahre in der I.S. brachten der SPUR nicht nur zahlreiche internationale Kontakte, sondern auch ein neues Instrumentarium an Begriffen. Es ging natürlich um eine Kritik des Alltagslebens und selbstredend um die „Konstruktion von Situationen“. Die Geheimnisse der Imagination, die Möglichkeiten, das „Bild“ durch Diskussion und praktische Erforschung seiner Zusammenhänge im Kollektiv zu erweitern, sahen die Künstler der SPUR als Chance. Die Mittel sind forcierte Spontaneität, freie Linienbewegungen, das Vertrauen auf die aus der „Bildtiefe“ kommende imaginative Aufladung des Farb-Raum-Geschehens ebenso wie deutlich erkennbare Anspielungen auf Realitätsfragmente. Spielerisch wird auf dem Bild „Welt“ erzeugt, und so ein „neues“, nie gesehenes Bild, eine neue Realität geschaffen, die dem Anspruch, ein tatsächliches „Ding“ in dieser Welt zu sein, auch standhält.

 

Unter der Überschrift „DÉRIVE“ beinhaltet das Symposium am Freitag, 16. Mai, ab 9.30 Uhr im Vortragssaal eine umfassende Betrachtung der Gruppe SPUR in ihrem künstlerischen und historischen Kontext. Den Impulsvortrag hält Prof. Axel Heil. Es sprechen außerdem Dr. Jacopo Galimberti (Monza/Berlin), Dr. Roberto Orth, Hamburg, Christian Malycha (Reutlingen) und Selima Niggl (München) sowie Ruth Baumeister (Silkeborg). Jacqueline de Jong, die zu den künstlerischen Protagonistinnen zählte, wird als Ehrengast anwesend sein. Die Abschlussdiskussion mit allen Referenten moderiert Prof. Leni Hoffmann.

 

Die Exkursion in die Ausstellung nach Durbach schließt sich am Samstag, 17. Mai, an. Um 10 Uhr startet ein Bus vom Hofgelände der Kunstakademie Reinhold-Frank-Str. 81/83. Die Fahrt für Studierende ist frei, für externe Besucher wird ein Unkostenbeitrag von Euro 12 erhoben (für Hin- und Rückfahrt). Anmeldung ist am Freitag, 16. Mai, im Rahmen des Symposiums bei Sebastian Wiemer möglich.

 

Die Ausstellung „Vagabundierende Unruhe – Gruppe SPUR“ im Museum für Aktuelle Kunst in Durbach umfasst rund 120 Kunstwerke, zahlreiche Dokumente und den 1961 von Albert Mertz gedrehten Film „So ein Ding muss ich auch haben“. Die Bilder und Objekte zeigen das Panorama einer Gruppe junger Künstler, die schon zu ihrer Zeit internationales Aufsehen erregen konnten. Die Malerei der SPUR, oft grell farbig, facettenreich und stets sich selbst als unmittelbares Ereignis feiernd, erscheint im Zusammenspiel mit jenen Künstlerinnen und Künstlern, die den Weg der SPUR zwischen 1957 und 1965 maßgeblich begleiteten.

 

 

 

Kolloquium im Rahmen der Vortragsreihe

» ÄSTHETIK DES PERFORMATIVEN«

Staatliche Akademie der Bildenden Künste Karlsruhe/

Sommersemester 2014

 

DÉRIVE

ASGER JORN UND DIE GRUPPE SPUR

NEUE FIGURATION – INTERNATIONALE SITUATIONNISTE –

THE SITUATIONIST TIMES – GERMAN POP

Freitag, 16.05.2014 /Vortragssaal, Reinhold-Frank-Str. 81

Beginn: 9.30 Uhr

 

PROGRAMM

 

Prof. Axel Heil

UMHERSCHWEIFEN – If you believe you have GENIUS…

 

Dr. Jacopo Galimberti, Monza:

DIE DÉTOURNEMENTS DER GRUPPE SPUR (1959-1961).

GESCHICHTE, GEDÄCHTNIS UND TEMPORALITÄT.

 

Dr. Roberto Ohrt, Hamburg:

UMWEGE ERHÖHEN DIE ORTSKENNTNIS

INTERNATIONALE SITUATIONNISTE – DIE GRUPPE SPUR

UND DER UNERREICHBARE GUY DEBORD

 

 

Pause: ca. 12.30 – 14 Uhr

 

 

Christian Malycha, Reutlingen:

… INMITTEN DIESES WÜSTEN HAUFENS VON TACHISMUS WIEDER

EINE BEFINDLICHKEIT: KEIN SITUATIONISMUS! GEORG BASELITZ

UND DIE ANDEREN 1961–1965

 

Selima Niggl, München:

PINOT GALLIZIO – MALEREI AM LAUFENDEN METER.

MÜNCHEN 1959 UND DIE EUROPÄISCHE AVANTGARDE

 

Dr. Ruth Baumeister, Silkeborg:

ARCHITECTURE SAUVAGE

 

Ehrengast: Jacqueline de Jong, Amsterdam

 

Abschluss: ROUNDTABLE MIT ALLEN VORTRAGENDEN

Moderation: Prof. Leni Hoffmann

 

Samstag, 17.05.2014 Exkursion zur Ausstellung

VAGABUNDIERENDE UNRUHE – GRUPPE SPUR

Museum für Aktuelle Kunst – Sammlung Hurrle Durbach

Abfahrt: Hofgelände der Akademie, 10 Uhr

 

 

Fahrt und Eintritt frei