Staatliche Akademie der Bildenden Künste Karlsruhe
Datum
Ort
Vortragssaal Reinhold-Frank-Str.81 / Vordergebäude

Werkvortrag. Alexej Meschtschanow. Figuren im Spagat zwischen Ästhetik und Moral.

Wie ich zum Verräter geworden bin.

In seinen Arbeiten wendet Alexej Meschtschanow Stahl und Stahlrohr als Symbol der Funktionalität an. Er unterzieht Fundstücke einem physischen Eingriff, einer Operation, im Laufe derer den Gegenständen ein mechanisches Korsett angepasst wird, welches sie leicht vom Boden abhebt. Diese Hybride, die Vorgefundenes und originäre skulpturale Elemente zu synthetischen Setzungen zusammenfügen, verkörpern eine Strategie der kritischen Intervention in Diskurs eines erweiterten Kunstbegriffes. Sie illustrieren und kommentieren gleichermaßen neuere Tendenzen, nach denen Designobjekte als Gegenstände mit einem dezidierten Gebrauchswert und Funktionsfokus in das Kunstmuseum und in künstlerische Diskurse fest integriert sind …

... Nach den mannigfaltigen technischen, medialen und ökonomischen Errungenschaften der Moderne, die ausgehend von pragmatischen Lösungsansätzen zu einer radikalen Reduktion und Modularisierung aller Lebensbereiche der in den Industrienationen lebenden Menschen geführt hat und so gleichzeitig die explosionsartig wuchernde kulturelle Pluralität und Kompression der Masse Mensch in urbane Zentren generiert –, stellt sich die Frage, was tun mit den angeblich überholten Formaten, mit den der Reduktion angeblich zum Opfer gefallenen Produkten, Automatismen und Mentalitäten: Wohin mit dem natürlichen Hang des Menschen zum Konservativen angesichts seiner sukzessiven Erkrankung im Spagat zwischen historischer Last, gescheitertem Utopiedrang und Fortschrittsgläubigkeit? (Aus Oliver Kossack, Tubular Shells, 2011)